An der Wertstromdarstellung erkennt man gut die Entkopplung von Fertigung und Kundenabruf.
Fertigung auf Lager in der Wertstromdarstellung.

Wie funktioniert das Prinzip Fertigung auf Lager?

Dieses Fertigungsprinzip setzt in seiner Reinform auf eine völlige Entkopplung der Kundenabrufe vom Herstellungsprozess. Die Fabrik hält dazu ein ausreichend bestücktes Fertigwarenlager bereit, aus dem die Kundenbestellungen bedient werden.

Die Bestellung des Kunden löst keinen Fertigungsauftrag aus. Vielmehr wird der Lagerbestand überwacht und sobald ein vorher definierter Mindestbestand unterschritten wird, erstellt die Produktionsdisposition einen Fertigungsauftrag.

 Wo findet das Prinzip Anwendung?

Die Fertigung auf Lager wird vor allem für Serienprodukte eingesetzt, die eine relativ gleichmäßig und gut voraussehbare Verbrauchscharakteristik haben. Viele Zulieferer für die Automobilindustrie nutzen dieses Fertigungsprinzip.

Was sind die Vorteile der Fertigung auf Lager?

Der Kundenentkopplungspunkt dieses Fertigungsprinzips ist so gewählt, dass die Produktion extrem gleichmäßig ausgelastet werden kann. Es gibt kaum Leerlaufzeiten und keine Stoßzeiten, in denen Überstunden geleistet werden müssen. Wenn der Betrieb gut organisiert ist, lässt sich so eine extrem effiziente und damit kostengünstige Fertigung aufbauen. Der Fertigwarenbestand ist ein Schutzpuffer zum Kunden und sorgt dafür, dass Nachfrageschwankungen nicht durch den Bullwhip-Effekte vom Kunden auf den Produzenten übergehen und dabei aufschaukeln.

Was sind die Nachteile der Fertigung auf Lager?

Die Pufferfunktion des Lagers ist ein süßes Gift, denn es werden ausnahmslos alle Schwankungen ungeachtet ihrer Ursache im Prozess zugedeckt. Sie verschleiert also auch die selbst verschuldeten Probleme und verführt dadurch zur Disziplinlosigkeit, denn Fehlsteuerungen im Produktionsprozess sind nicht mehr zu erkennen. Seien es Qualitätsprobleme oder eine schlechte Produktionsplanung. Der Puffer sorgt dafür, dass diese Probleme niemals auf den Kunden durchschlagen, denn es ist ja immer noch genug Ware im Lager, um rechtzeitig zu liefern. So entstehen in der Regel viel zu hohe Lagerbestände mit der daraus folgenden Kapitalbindung und dem hohen Lagerbewirtschaftungsaufwand. Außerdem besteht das Risiko der Überalterung der Lagerbestände bis zur Unverkäuflichkeit der Ware.

Viele Unternehmen laufen in diese Bequemlichkeitsfalle. Man erkennt das oft daran, dass trotz Lagerbestand immer noch Eilproduktionen nötig sind dabei Überstunden aufgebaut werden, weil der Puffer eben immer noch nicht reicht, alle selbst gemachten Störeinflüsse abzudecken.

Fazit

Wer sich für die Produktion auf Lager entscheidet muss ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Prozessverständnis besitzen, um nicht in die Bequemlichkeitsfalle zu geraten. Wer die Willenskraft dazu besitzt, kann ein Produktionskonzept nutzen, dass sich extrem Effizient und mit sehr geringen Schwankungen betreiben lässt.