Prinzipieller Wertstrom einer Auftragsfertigung, typischer Ist-Zustand
Wertstrom Auftragsfertigung

Vorteile der Fertigung auf Kundenauftrag

Das Idealziel im Lean Management ist die Losgröße Eins. Das heißt, ein Produkt wird nur dann gefertigt, wenn es der Kunde haben will und auch nur in der gewünschten Anzahl.  Dies ist nur mit dem Prinzip der Auftragsfertigung erreichbar.

Bei der Auftragsfertigung gibt es keinen Lagerbestand an Fertigware, der verwaltet werallerdingsden muss. Es gibt keine Überbestände die altern könnten oder sogar unverkäuflich werden. Die Produktionsressourcen werden nur für Produkte eingesetzt, die tatsächlich verkauft werden können. Aus Sicht des Produzenten hat die kundenindividuelle Fertigung nur Vorteile. Der klassische Anwendungsfall für dieses Konzept ist der Sondermaschinenbau. Dort werden nur kundenindividuelle Produkte hergestellt.

Nachteile der Fertigung auf Kundenauftrag bei Serienprodukten

Bei Serienprodukten kollidiert die Auftragsfertigung mit technischen Randbedingungen, die es erzwingen größere Lose herzustellen.

Die Fertigung dauert länger als der Kunde bereit ist zu warten

Die Auftragsfertigung verlängert die Lieferzeit. Während beim Verkauf ab Lager nur die kaufmännischen Abteilungen und der Versand durchlaufen werden müssen, sieht die Sache bei der kundenindividuellen Fertigung ganz anders aus. Dort muss zusätzlich ein vollständiger Produktionsprozess absolviert werden. Dessen Durchlaufzeit verlängert die Lieferzeit noch einmal deutlich. Gerade bei Massenartikeln ist das nicht realisierbar, weil im Endkundenbereich sehr kurze Lieferzeiten von wenigen Tagen eingefordert werden. Innerhalb dieser Zeit ist in den meisten Unternehmen nicht einmal der administrative Prozess abgeschlossen. Wer also in kurzer Zeit auftragsbezogen an Endkunden liefern will braucht einen durchgängigen und größtenteils automatisierten Informationsfluss.

Viele Prozesse sind mit der Stückzahl Eins nicht effizient durchführbar.

Es ist offensichtilich, dass jede Maschine gerüstet werden muss. Je länger die Rüstzeit, umso größer muss die gefertigte Losmenge für eine kosteneffiziente Fertigung sein. Das ist das klassische Losgrößendilemma, welches jeder Praktiker nur zu gut  kennt. Ein gutes Beispiel dafür sind Spritzgußmaschinen, in denen mit großem Rüstaufwand (Einbau, Vorheizen etc.) Pfennigartikel hergestellt werden. Daher ist man in der Praxis gezwungen mit großen Losgrößen zu arbeiten und Lagerbestand in Kauf zu nehmen.

Den Kundenentkopplungspunkt so weit nach vorne legen wie möglich

Wenn man das Ideal der Losgröße Eins nicht im kompletten Fertigungsprozess erreichen kann, muss man sich mit Zwischenlösungen zufriedengeben. Dazu gilt es, den frühesten Punkt im Fertigungsprozess herauszufinden, an dem eine Individualisierung auf ein spezifisches Produkt stattfinden kann. Um den Kundenentkopllungspunkt nach vorne zu verlegen, würde man also vorgefertigte Halbzeuge aus einer Serienfertigung auf Lager legen, um sie dann in einem Montageprozess zu einem kundenindividuellen Produkt zusammenzubauen. Dieses Verfahren wird zum Beispiel in der Elektronikindustrie von Meßgeräteherstellern angewendet.

Die Grenzen werden immer mehr zur Auftragsfertigung verschoben

Neue Fertigungsmethoden ermöglichen es mittlerweile, auch bei Serienprodukten der Auftragsfertigung immer näher zu kommen. Der Sportartikelhersteller Adidas versucht beispielsweise mit seiner „Speedfactory“ ins Ansbach zu beweisen, dass mit dem Einsatz additiver Fertigungstechnologien ein Massenprodukt wie Sportschuhe  auf Kundenwunsch gefertigt werden können