Lagerbestand im Wertstrom ist das teure Ergebnis schlechter Prozesse
Lager ist ein Indikator für schlechte Prozesse

Er ist nicht die Ursache eines Problems. Dennoch zeigt er zuverlässig an, dass etwas nicht stimmt.

Lagerbestand ist das teure Ergebnis schlechter Prozesse

Lagerbestand ist immer schlecht, denn er ist gefesseltes Vermögen, das anderswo im Unternehmen fehlt. Lagerbestand kann veralten und damit wertlos werden. Lagerbestand muss gepflegt werden und erzeugt so Kosten. Lagerbestand blockiert wertvolle Flächen. Lagerbestand ist die Folge von Überproduktion. Lagerbestand erhöht die Durchlaufzeit und damit die Lieferzeit.

Diese Liste ließe sich bestimmt noch um viele Punkte erweitern. Aber die Botschaft ist immer die gleiche. Kein Unternehmen kann daran interessiert sein, mehr Bestand. sich herum zu schleppen als unbedingt notwendig

Rohmaterialbestand entsteht durch Fehler in der Disposition oder durch unzuverlässige Lieferanten.
Rohmateriallager

Lagerbestand liefert wertvolle Information

Es lohnt sich, den Lagerbestand in der Fabrik sehr genau zu analysieren, denn er ist ein wertvoller Indikator zur Aufdeckung von Schwachstellen. Er ist eine sehr leicht messbare Größe und er kann objektiv ermittelt werden, sogar wenn die Produktion nicht läuft.

Um seine Ursachen zu verstehen, muss man allerdings verstehen, welche Arten von Bestand es gibt. Man kann grob drei Arten von Lagerbestand unterscheiden.

Rohmaterialbestand

Hier geht es um Waren, die zugekauft werden. Ein hoher Rohmaterialbestand kann auf folgende Missstände hinweisen.

  1. Die Qualität der Materialdisposition ist schlecht. Im Unternehmen gibt es keine geeigneten Werkzeuge oder keine guten Mitarbeiter, in der Einkaufsdisposition. Aus Unsicherheit wird vorsichtshalber einfach einmal etwas mehr geordert. In diesem Fall verdeckt der Lagerbestand Fehler in den administrativen Prozessen.

  2. Die Lieferanten sind unzuverlässig. Sie liefern häufig unzureichende Qualität oder haben eine schlechte Termintreue. Auch dann, wird gerne einmal mehr bestellt, um Ruhe in die Fabrik zu bekommen. Hier verdeckt Lagerbestand gefährliche Risikofaktoren.

 

Umlaufbestand (Work in Progress, WIP)

Zu hoher Umlaufbestand zeigt an, dass die Fertigungsprozesse schlecht synchronisiert sind.
Umlaufbestand Work in progress

Er sammelt sich innerhalb der Fertigung zwischen den einzelnen Arbeitsstationen an. Ein hoher Umlaufbestand deutet auf Schwächen in der Fertigungssteuerung hin. In der Produktion kommt kein kontinuierlicher Fluss zu Stande. Das kann folgende Ursachen haben.

  1. Die Takte der Maschinen sind schlecht synchronisiert, weil sie entweder zu unterschiedliche Grundkapazitäten haben oder weil es keine ausreichende Abstimmung gibt.

  2. Es werden zu große Fertigungslose freigegeben, die sich wie eine Hochwasserwelle durch die Fertigung schieben.

  3. Es gibt häufig Umplanungen der Auftragsreihenfolge. Das führt dazu, dass Aufträge unterbrochen werden und das Halbzeug bis zur Wiederaufnahme herumsteht.

Fertigwarenbestand

Ein zu hoher Endbestand ist ein deutliches Signal dafür, dass der Wertstrom nicht mit dem Kundentakt abgeglichen ist.
Fertigwarenbestand

Am Ende der Produktion stapelt sich die Fertigware im Lager. Auch dieser Umstand kann mehrere Ursachen haben.

  1. Die Fertigungsdisposition ist nicht mit den Kundenbedarfen synchronisiert. Entweder, weil sie schlechte Vorhersagezahlen bekommt oder weil sie mit guten Zahlen schlecht disponiert.

  2. Es gibt technische oder organisatorische Probleme in der Produktion, die immer wieder zu Fertigungsverzögerungen führen. Damit diese nicht auf den Kunden durchschlagen werden sie mit viel Fertigwarenbestand übertüncht.

 

Es lohnt sich also immer genau den Lagerbestand zu analysieren, um herauszufinden, wo die Probleme in der Fertigung liegen.